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METFROG: Hi Lordi. Ich bin fast ein bißchen
nervös, dies ist mein erstes Interview mit einem Monster...
LORDI: Keine Angst, ich werde nicht beißen
(lacht).
METFROG: Gut. Zuallererst würde mich
interessieren, ob es eine Background-Story zu den einzelnen Charakteren
Eurer Band gibt?
LORDI: Eigentlich nicht. Wir lassen die
Geschichten der einzelnen Persönlichkeiten offen. Alle Charaktere bei LORDI
stellen unterschiedliche Stereotypen von Monstern da. Wir haben da zum
Beispiel eine Mumie, welche von Amen, unserem Gitarristen, dargestellt wird.
Oder einen Außerirdischen, das ist Kita, unser Schlagzeuger. Und ich bin
quasi das Monster aller Monster. In mir sind alle netten und coolen
Monstereigenschaften vereint (lacht).
METFROG: Es gibt also keinen direkten Background
hinter diesen Figuren?
LORDI: Nein. Das ist auch einfacher so, und läßt
uns mehr Spielraum. Dadurch gibt es für uns viel mehr Freiräume. Stell dir
nur vor, wir hätten gesagt, wir kommen aus dem Mittelalter oder so - das
würde doch saublöd ausschauen, wenn ich dann auf der Bühne mit einer
Kettensäge herumhüpfe.
METFROG: Die Idee zu LORDI
entstand ja vor ca. 10 Jahren, hast Du Dir alle Figuren selbst ausgedacht?
LORDI: Es war
mehr eine Kooperation zwischen allen Mitgliedern. Die erste Idee war
eigentlich dieser Alien-Charakter. Danach entstand das Zombie-Monster von
Kalma. Amen war ursprünglich auch keine Mumie, Amen war mehr so ein Rob
Halford-Typ aus der Gruft. Das Gesicht war das Gleiche, nur mußten wir die
Kostümierung ändern. Amen selbst hatte die Idee, eine Mumie sein zu
wollen. Enary´s Figur sollte irgendetwas barbarisches werden. Sie mag
diese ganzen "Conan der Barbar"-Filme und das ganze Wikinger Zeug. Also
wurde aus ihr diese Wikinger-Königin oder Wikinger-Gottheit.
METFROG: Wie
lange dauert es eigentlich, so eine komplette Maske anzuziehen?
LORDI: Wenn es
eine Show oder sonst ein Auftritt ist, dauert es etwa zwei Stunden. Wenn
es allerdings eine Videosession oder ein Fotoshooting ist, kann es auch
gerne mal fünf bis sechs Stunden dauern, denn dann muß man mehr auf die
Details achten. Die Maske muß dann sehr detailliert sein, wegen der
Close-Ups. Bei Auftritten sind die Details nicht ganz so wichtig, weil das
Publikum weit weg ist und wir auch viel Rauch und Pyros verwenden.
Zusätzlich zur Maske muß man noch etwa 30 Minuten für das Kostüm
dazurechnen.
METFROG: Ich hab
mal gehört, daß Du alle Masken und Kostüme selbst herstellst...
LORDI: Das ist
richtig. Ich liebe es, diese Dinge mit meinen Hände herzustellen. Man
könnte sagen, daß 99% aller Bilder, Album Cover, Booklets, T-Shirt
Designs, die Make Ups, die Kostüme, die Bühnendesigns - einfach alles auf
der visuellen Ebene von mir gemacht werden. Ich liebe es einfach, zu malen
und Skulpturen zu machen.
METFROG: Das ist
wirklich erstaunlich...
LORDI: Ja, LORDI
ist einfach eine Kombination aus allen Dingen, die mir Spaß machen.
METFROG: Ich
könnte mir vorstellen, daß es ziemlich schwierig ist, mit so einem Kostüm
und mit diesen - auch etwas modifizierten - Instrumenten zu spielen. Dein
Mikrofon ist ja zum Beispiel auch etwas aufgemotzt...
LORDI: Ja, es ist
eine herrliche Axt! Naja, man gewöhnt sich daran. Das Kostüm an sich ist
ja nicht so besonders schwer. Es sieht schwer aus, ist es aber nicht. Das
Problem an der Verkleidung ist, daß es darunter extrem heiß ist. Es ist
wie wenn man einen Gummianzug anhätte, du schwitzt darunter schon nach
fünf Minuten wie ein Schwein. Aber so richtig heiß wird es dann erst
während der Show, wenn die Pyros losgehen!
METFROG: Aber
trinken kann man mit so einer Maske schon...?
LORDI: Ja
natürlich, das ist wichtig (lacht)! Aber trotzdem, mit so einer Maske zu
performen ist, wie wenn man einen Marathon in Winterbekleidung läuft.
METFROG: Kommen
wir zu Eurem neuesten Album, "The Monsterican Dream"....
LORDI: Die
ursprüngliche Idee war ja, dieses Album "The Monsterican Way" oder "The
United States Of Monsterica" zu nennen (lacht). Wir haben uns dann aber
doch für "The Monsterican Dream" entschieden, da das ja auch im Text von "Blood
Red Sandman" vorkommt.
METFROG: Erzähl
uns mal ein wenig darüber, wie dieses Album entstanden ist.
LORDI: Wir
begannen letzten Sommer mit dem Songwriting , und da wir eine Band sind,
die recht viel schreibt, hatten wir im Oktober um die 40 Songs fertig. Es
war klar, daß wir im Jänner ins Studio gehen würden, also hatten wir noch
ein wenig Zeit, aus diesen 40 die richtigen Songs auszuwählen. Eigentlich
hatten wir ja noch ca. 20 weitere, aber da fehlte uns dann doch die Zeit,
diese genauer auszuarbeiten. Natürlich ist es ein positives Problem, aus
so einer Fülle an Songs 13 oder 14 auszuwählen, trotzdem war das ein
hartes Stück Arbeit. Wir haben mit Hiili Hiilesmaa zusammengearbeitet,
welcher schon für Bands wie HIM oder APOCALYPTICA produziert hat. Das war
wirklich gut, denn er hat uns gezeigt, wie in einem Studio richtig hart
gearbeitet wird. Da war kein Platz für Witze oder sonstigen Bullshit, er
hat uns richtig zum Arbeiten gebracht. Kurzum wir waren auf der gleichen
Wellenlänge mit Hiili und die Aufnahmen schritten im Jänner gut voran. Wir
wollten ja eigentlich schon auf "Get Heavy" mit ihm zusammen arbeiten,
doch leider hatte er keine Zeit. Diesmal haben wir den Zeitplan besser
gesetzt und das war sehr gut so.
METFROG: Liegt
dem Album ein Konzept zugrunde?
LORDI: Es ist
nicht wirklich ein Konzeptalbum. Es hat keine durchgehende Story, aber es
sind dreizehn in sich abgeschlossene Horrorgeschichten. Die Idee entstand
nach unserem letzten Album. Auf "Get Heavy" sind Songs wie "Rock The Hell
Out", "Would You Love A Monsterman" oder "Devil Is A Loser", deren Lyrics
keine Geschichte erzählen. Es sind mehr einfache Rock- oder Heavy Metal
Erzählungen. Einzig zwei Songs auf "Get Heavy" haben eine Storyline. Die
gefielen mir am besten, also war das erklärte Ziel für das neue Album, für
jeden Song eine eigene Geschichte zu haben. OK, "Wake The Snake" oder "Forsaken
Fashion Dolls" haben keine Geschichte in dem Sinn, die anderen Songs
schon. Eigentlich hatte ich ja die Idee, ein eigenes Comicbuch mit den
Lyrics zu zeichnen, welches zur CD paßt. Aber dann holte mich die Realität
ein - stell Dir vor, man bräuchte dann ungefähr vier Seiten für jeden
Song! Abgesehen davon, daß ich die Zeit gar nciht gehabt hätte - die
Plattenfirma hätte mich wohl für verrückt erklärt, wenn ich mit einem
80-seitigen Booklet daher gekkommen wäre (lacht).
METFROG: Trotzdem
schienst Du sehr zufrieden zu sein mit dem fertigen Album...
LORDI: Ja, bin
ich auf jeden Fall! Die ganze Band ist sehr zufrieden damit, weil wir
wollten ein Album mit Atmosphäre, mit Spannung. Und das ist uns, glaube
ich perfekt gelungen.
METFROG: Wie sind
die Reaktionen der Presse auf "The Monsterican Dream" bisher ausgefallen?
LORDI: Höchst
unterschiedlich. Einige vergeben fünf Sterne, andere nur einn. Es gibt
kaum etwas dazwischen. Und das finde ich auch gut so, entweder lieben es
die Leute oder sie hassen es. Und wenn es Leute gibt, die es hassen, muß
es auch jemanden geben, der es liebt. Es ist immer besser ein klares Ja
oder ein klares Nein zu bekommen, als ein "Naja, es ist OK...". Wenn eine
Band nur "OK" ist, fehlt etwas.
METFROG: Ihr habt
ja auch ein Video für "Blood Red Sandman" produziert. Hat es Spaß gemacht?
LORDI: Ja! Das
witzige daran ist ja, ich liebe es, Videos zu machen! Ich liebe den ganzen
Prozeß, der notwenig ist, ein Video herzustellen. Die anderen Lordi´s
mögen das gar nicht so. Die wollten ständig nur zur Bar. Das mußt Du Dir
mal vorstellen, so ein Videoshooting kostet der Plattenfirma doch
wahnsinnig viel Geld, da kann man doch nicht einfach so zur Bar gehen! OK,
sie lieben es rauszugehen und zu spielen, aber ich liebe auch das
Videoshooting - es ist großartig! Aber es ist ganz normal, üblicherweise
lieben es Musiker ja überhaupt nicht, Videos zu machen. Ich liebe es!
METFROG: Wie
entstehen denn eigentlich Eure Songs im Allgemeinen?
LORDI: Naja, das
hängt von den Songs ab. Meistens sitze ich mit der Gitarre da und habe
plötzlich ein Riff im Kopf. Das ist der ganz normale Weg, wie es meistens
ist, du spielst einfach so rum, eine Melodie kkommt und du machst was
draus oder nicht. Manchmal hat man auch eine Idee für einen Titel und
entwickelt daraus einen Refrain, doch das ist die ungewöhnlichere
Variante. Für mich ist es so rum wirklich schwierig, dann einen guten Song
daraus zu machen. Ich habe zum Beispiel schon seit Jahren die Idee für
einen Songtitel "We Bring The Balls Back To Rock", aber ich bringe einfach
keinen anständigen Song darüber zustande. Das schwierige daran ist, daß
bei so einem powervollen Titel der Song wirklich die "Balls back to Rock"
bringen muß! Also andersrum ist es immer einfacher für mich. Auch die
anderen in der Band schreiben immer die Musik zuerst.
METFROG: Im
Gegensatz zu "Get Heavy" hat ja diesmal jeder etwas zum Songwriting
beigesteuert.
LORDI: Ja
richtig. Obwohl ja auch an den Arbeiten zu "Get Heavy" alle beteiligt
waren. Irgendwie ist es aber dann passiert, daß auf dem Album
ausschließlich Songs gelandet sind, die ich geschrieben hatte. Das war
aber mehr oder weniger Zufall. Wichtig ist, daß die Songs gut sind, wer
von uns sie geschrieben hat, ist eher nebensächlich. Es ist nicht so, daß
wir gesagt haben, von jedem von uns MUSS ein Song drauf sein, das würde
dann auch gar nicht funktionieren. Bei KISS´ "Psycho Circus" war es ja so,
daß unbedingt ein Song von Ace Frehley drauf sien mußte. Naja, und sagen
wir mal so: "Into The Void" ist nicht unbedingt sein bester Song...
METFROG: Du bist
ja ein riesiger KISS-Fan, wie man hört...
LORDI: (lacht)
das stimmt! Wir alle haben uns ja über die "KISS-Army" kennengelernt. Wir
sind alle riesige KISS Fans.
METFROG: Welche
Einflüsse spielen bei Euch noch eine wichtige Rolle?
LORDI: Da gibt es
eine Menge: TWISTED SISTER zu Beispiel. ACCEPT, U.D.O., ALICE COOPER
natürlich, MOTLEY CRUE, WASP... alle diese großen theatralischen Hard Rock
Bands der 70er und 80er halt. Und diese Bands leben nach wie vor! Unsere
Keyboarderin Enary steht auf die ganz harten Sachen, wie DIMMU BORGIR -
also diese ganze Death- und Black Metal Fraktion. Das mag sonst keiner aus
der Band. Auf der anderen Seite ist Kalma ein riesiger LENNY KRAVITZ-Fan.
Kita mag ABBA und Amen mag Bands wie STONE TEMPLE
PILOTS. Das mag sonst auch keiner von uns. Unser gemeinsamer Nenner
ist einfach KISS.
METFROG: Und
welche Einflüsse aus dem nicht-musikalischen Bereich spielen eine Rolle?
LORDI: Da kommt
eine ganze Menge aus diversen Horror Filmen. Ich weiß, das klingt jetzt
witzig, aber ein paar Einflüsse kommen aus der Muppets-Show. Natürlich
auch Freddy Krüger und der Incredible Hulk. Wenn du etwas magst beeinflußt
es Dich einfach, das ist ganz normal. Das ist so, wie wenn irgendeine
Hausfrau ein großes Idol mit roten Haaren hat. Irgendwann wird sie zum
Friseur gehen und sich ihre Haare rot färben lassen. Kurzum: alle Deine
Idole, Deine Vorbilder beeinflußen Dich und Dein leben in irgendeiner
Weise, auch wenn Du es oft gar nicht merkst. Bei uns ist es klar, wir
können das nicht verbergen, wo unsere Einflüsse her kommen (lacht). Wir
treiben das aber noch mehr auf die Spitze, wir sehen noch viel extremer
als KISS aus.
METFROG: Letzte
Frage, Lordi: was war der beste Rat, den man Dir jemals gegeben hat?
LORDI: Ganz klar:
ich las ein Interview mit KISS. Das muß jetzt so 10 Jahre her sein. Gene
Simmons gab dort den Rat: "Gründe eine Band, die Du selbst gerne auf der
Bühne sehen würdest!" Und hier bin ich! Dieser Rat hat den Grundstein zu
LORDI gelegt. Ohne diesen Rat hätte ich den Schritt vermutlich nie gewagt.
METFROG: In
diesem Sinne: danke an Gene Simmons für diesen Rat, und Dir Lordi vielen
Dank für das Gespräch!
LORDI: Eines
würde ich gerne noch sagen: es gibt da einen österreichischen Fan namens
Sandy. Sie ist ein riesiger LORDI-Fan und schickt uns immer Schokolade.
Danke Sandy!
METFROG: Und Dir
danke für das Interview - bye!
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